Archiv f√ľr den Monat: Dezember 2014

‚ÄúIRGEND¬≠ET¬≠WAS BEKOM¬≠ME ICH HIER IMMER.‚ÄĚ

Agnes Streber, Dipl. Oecotrohologin, Systemische Familientherapeutin, Vorstand von KinderLeicht e.V.

‚ÄěIrgend¬≠et¬≠was bekom¬≠me ich hier immer.‚Äú Die¬≠sen Satz hat vor eini¬≠ger Zeit die Mut¬≠ter einer Jugend¬≠li¬≠chen zu mir gesagt. Sie war am Anfang sehr skep¬≠tisch gewe¬≠sen, ob mei¬≠ne Bera¬≠tung bei ihrer Toch¬≠ter Erfolg haben w√ľr¬≠de.
Bei mei¬≠ner Arbeit den¬≠ke ich erst ein¬≠mal gar nicht an Erfolg. Viel¬≠mehr ver¬≠su¬≠che ich den Men¬≠schen, die zu mir kom¬≠men zu ver¬≠mit¬≠teln, dass sie selbst¬≠ver¬≠ant¬≠wort¬≠lich und auto¬≠nom sind ‚Äď jeder von ihnen und jeder aus ihrer Fami¬≠lie. F√ľr vie¬≠le ist das eine v√∂l¬≠lig neue Sicht¬≠wei¬≠se. 
Vie¬≠le Eltern f√ľh¬≠len sich f√ľr die Ern√§h¬≠rung und die Figur ihrer her¬≠an¬≠wach¬≠sen¬≠den Kin¬≠der ver¬≠ant¬≠wort¬≠lich. Indem ich den jun¬≠gen Men¬≠schen ihre Auto¬≠no¬≠mie vor Augen hal¬≠te, st√§r¬≠ke ich sie und zei¬≠ge ihnen, dass sie selbst wir¬≠ken k√∂n¬≠nen. Und dass sie f√ľr das, was sie tun oder nicht tun die Ver¬≠ant¬≠wor¬≠tung tra¬≠gen.
Es gibt nicht DIE L√∂sung, die f√ľr alle passt. Viel¬≠mehr stel¬≠le ich in der Bera¬≠tung mein Wis¬≠sen, mei¬≠ne Erfah¬≠rung und Unter¬≠st√ľt¬≠zung zur Ver¬≠f√ľ¬≠gung und beglei¬≠te jeden Pro¬≠zess indi¬≠vi¬≠du¬≠ell. Und wenn auf die¬≠sem Weg ein¬≠mal nichts vor¬≠an geht, dann wert¬≠sch√§t¬≠ze ich auch das. Das darf so sein. Still¬≠stand hat sei¬≠ne Bedeu¬≠tung. Er er√∂ff¬≠net oft unglaub¬≠li¬≠che krea¬≠ti¬≠ve Frei¬≠r√§u¬≠me, in denen die Men¬≠schen dann eine f√ľr sie stim¬≠mi¬≠ge L√∂sung ent¬≠wi¬≠ckeln.
Die¬≠se Ein¬≠stel¬≠lung ent¬≠las¬≠tet und ermu¬≠tigt die Men¬≠schen, die zu mir kom¬≠men. Und es ist die Basis f√ľr eine lang¬≠fris¬≠ti¬≠ge Ver¬≠hal¬≠tens¬≠√§n¬≠de¬≠rung sowie eine gesun¬≠de und freud¬≠vol¬≠le Lebensf√ľhrung.

 

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HEU¬≠TE WEISS ICH MEI¬≠NE HER¬≠KUNFT ZU SCH√ĄTZEN.

Agnes Streber, Dipl. Oecotrophologin, Systemische Familientherapeutin, Vorstand von KinderLeicht e.V.

Ich bin auf einem Bau¬≠ern¬≠hof gro√ü¬≠ge¬≠wor¬≠den, habe als ein¬≠zi¬≠ges von f√ľnf Kin¬≠dern stu¬≠diert und die b√§u¬≠er¬≠li¬≠che Welt mei¬≠ner Kind¬≠heit verlassen. 
Das Leben bis zu mei¬≠nem f√ľnf¬≠zehn¬≠ten Lebens¬≠jahr habe ich als sehr rhyth¬≠mi¬≠siert und begrenzt erlebt. Die Arbeit und der Hof stan¬≠den immer im Vor¬≠der¬≠grund. Alle vier Jah¬≠re sind wir zur Land¬≠wirt¬≠schafts¬≠aus¬≠stel¬≠lung nach M√ľn¬≠chen gefah¬≠ren ‚Äď das war unser M√ľn¬≠chen-Aus¬≠flug. Kein Muse¬≠um, kei¬≠ne Rei¬≠sen und wenig Hob¬≠bys. Ich h√§t¬≠te ger¬≠ne Kla¬≠vier gespielt, aber das wur¬≠de nicht gef√∂rdert. 
Mit mei¬≠ner Aus¬≠bil¬≠dung zur K√∂chin habe ich die¬≠se Welt ver¬≠las¬≠sen, habe Aus¬≠zeich¬≠nun¬≠gen erlangt, bin auf Wan¬≠der¬≠schaft gegan¬≠gen und habe in gro¬≠√üen H√§u¬≠sern gear¬≠bei¬≠tet. Schlie√ü¬≠lich habe ich mein Abitur nach¬≠ge¬≠macht, Ern√§h¬≠rungs¬≠wis¬≠sen¬≠schaf¬≠ten stu¬≠diert und eine Aus¬≠bil¬≠dung zur sys¬≠te¬≠mi¬≠schen Fami¬≠li¬≠en¬≠the¬≠ra¬≠peu¬≠tin gemacht. Seit 15 Jah¬≠ren bin ich selbst√§ndig. 
In mei­ner Fami­lie bin ich ein Exot. Ihre Welt und Auf­fas­sung vom Leben konn­te ich lan­ge nicht nach­voll­zie­hen und auch nicht so recht wert­schät­zen. Ich habe die­se Welt verurteilt.

Heu¬≠te wei√ü ich, dass mei¬≠ne b√§u¬≠er¬≠li¬≠che Her¬≠kunft und Pr√§¬≠gung zu mir geh√∂¬≠ren und Teil mei¬≠ner Per¬≠s√∂n¬≠lich¬≠keit sind ‚Äď und mir in der Ver¬≠gan¬≠gen¬≠heit auch vie¬≠le gute Diens¬≠te geleis¬≠tet haben. 
Ich habe ein gutes Gesp√ľr f√ľr mich, ich kann f√ľr mich und ande¬≠re sor¬≠gen, ich arbei¬≠te ger¬≠ne und ich habe einen gesun¬≠den Prag¬≠ma¬≠tis¬≠mus. Schon immer. 
Dazu ein Bei¬≠spiel: Mit sieb¬≠zehn Jah¬≠ren hat¬≠te ich mei¬≠ne Aus¬≠bil¬≠dung zur K√∂chin als Deut¬≠sche Meis¬≠te¬≠rin abge¬≠schlos¬≠sen und mich bei einem renom¬≠mier¬≠ten und bekann¬≠ten Koch bewor¬≠ben. Er emp¬≠fing er mich mit Cham¬≠pa¬≠gner und Kavi¬≠ar und gab mir sei¬≠ne Zusa¬≠ge. Als ich am Ende des Gespr√§¬≠ches frag¬≠te, wie es denn mit der Bezah¬≠lung aus¬≠s√§¬≠he, mein¬≠te er nur ‚ÄěNein. Eine Frau bezah¬≠le ich nicht. Es ist eine Ehre, dass Sie f√ľr mich arbei¬≠ten d√ľrfen!‚Äú 
Nat√ľr¬≠lich war ich von sei¬≠nem Erfolg und sei¬≠ner Per¬≠s√∂n¬≠lich¬≠keit beein¬≠druckt, aber es gab schon damals die¬≠sen ganz prag¬≠ma¬≠ti¬≠schen Teil vor mir, der wuss¬≠te, man muss leben, Essen und Mie¬≠te bezahl¬≠ten. Auf so etwas habe ich mich nicht ein¬≠ge¬≠las¬≠sen. Den Wert von Arbeit wei√ü ich zu sch√§t¬≠zen. Und mei¬≠ne Her¬≠kunft inzwi¬≠schen auch.

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