GRENZEN ÜBERTRETEN

WIE KANN MAN SICH KÖR­PER­LICH NUR SO RUN­TER­WIRT­SCHAF­TEN?

Bernd Hetzel*, 47 Jahre, Intensivpfleger

Wir hat­ten ein­mal einen Pati­en­ten, 29 Jah­re alt, der bei 1,67 Körper­größe 180 Kilo wog. Es war kein krank­heits­bedingtes Über­gewicht, son­dern im Lau­fe der Jah­re ent­standen.
Über den Win­ter hat­te er eine Grip­pe ver­schleppt und sich so eine schwe­re Herz­mus­kel­ent­zün­dung zuge­zo­gen. Er kam ins Kran­ken­haus, weil er kaum noch Luft bekam. Das war auch kein Wun­der, denn sein Herz hat­te nur noch 10% Pump­kraft, nor­mal sind 50–60%.
Das Herz war irrepa­ra­bel kaputt, er hät­te ein neu­es gebraucht. Doch für eine Trans­plan­ta­ti­on war er viel zu dick. Zum Abneh­men hät­te die Zeit nicht gereicht. Es war klar, dass er tod­krank ist und in den nächs­ten Wochen ster­ben wür­de. Er soll­te das Bett nicht ver­las­sen, weil bereits der Gang zur Toi­let­te sein Herz total über­for­dert hat.
Das Waschen eines sol­chen Kör­pers war nicht schön. In den vie­len Kör­per­fal­ten war die Haut schon wund und roch gar nicht gut. Ich ver­ste­he das nicht. Das ist doch ein jun­ger Mensch. Da will man doch was ande­res. Sei­ne Freun­din sah genau­so aus. Am liebs­ten hät­te ich die bei­den genom­men und geschüt­telt und gesagt: „Was macht Ihr nur mit Eurem Kör­per? Wie kann man sich nur so run­ter­wirt­schaf­ten!?“
Der Pati­ent hat den Ernst sei­ner Lage ein­fach nicht ver­stan­den. Er ist trotz­dem auf­ge­stan­den, um zur Toi­let­te zu gehen. Klar, dass er dabei umge­kippt ist.

*Name geän­dert

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