GRENZEN ÖFFNEN

KREBS LÄSST FREUN­DE VER­STUM­MEN

Christiane Jung, 45 Jahre, Kommunikations­trainerin

Vor eini­ger Zeit ist mein Vater an Krebs erkrankt und eini­ge Zeit spä­ter auch an sei­ner Krank­heit ver­stor­ben.
Wir stan­den uns sehr nahe. Durch unser gemein­sa­mes Hob­by hat­ten wir teil­wei­se auch den glei­chen Freun­des- und Bekann­ten­kreis.
Mein Vater hat sei­ne Krank­heit nicht an die gro­ße Glo­cke gehängt, aber irgend­wie hat man natür­lich doch gemerkt, dass etwas ist, weil ihm zum Bei­spiel durch sei­ne Che­mo­the­ra­pie die Haa­re aus­ge­gan­gen sind. Auch wenn er vor­her schon sehr kur­ze Haa­re hat­te.
Und auf ein­mal habe ich gemerkt, dass unse­re Freun­de mich viel weni­ger anrie­fen als vor­her.
Ich war mir aber sehr sicher, dass es nicht dar­an liegt, dass sie kein Inter­es­se hat­ten, son­dern dass sie der Mei­nung waren, wir haben mit unse­rer Situa­ti­on jetzt genug um die Ohren.
Ich ken­ne so eine Reak­ti­on von mir. Wenn in mei­nem Freun­des­kreis bis­her ein schlim­mer Krank­heits- oder Todes­fall auf­ge­tre­ten war, dann habe ich mich auch eher etwas zurück­ge­zo­gen und vor allem nicht über mei­ne all­täg­li­chen Sor­gen und Küm­mer­nis­se gespro­chen. Es schien mir immer zu banal ange­sichts des Todes oder einer lebens­be­droh­li­chen Krank­heit.
Doch als jetzt in mei­ner Fami­lie der Krebs Ein­zug gehal­ten hat­te, habe ich auf ein­mal gemerkt, dass mir genau die­se Gesprä­che hel­fen, die nor­ma­len All­tags­ge­sprä­che mit mei­nen Freun­den über den Job, die Kin­der und den All­tag. Weil ich dann nicht per­ma­nent nur mit den eige­nen The­men und Ängs­ten beschäf­tigt bin.
Uns so habe ich dar­auf­hin ganz gezielt mei­ne engs­ten Freun­de ange­ru­fen und ihnen gesagt, dass es mir gera­de in die­ser belas­ten­den Situa­ti­on gut tut, wenn sie mir von ihrem Leben erzäh­len – auch von den ganz nor­ma­len All­tags­sor­gen und -the­men.
Nach einem die­ser Gesprä­che hat mir eine gute Freun­din gesagt, wie gut ihr das getan hat, dass ich von mir aus auf sie zuge­kom­men bin und von dem Tag an waren wir wie­der in Ver­bin­dung wie frü­her – bis zum Tode mei­nes Vaters und auch dar­über hin­aus.
Mir hat das sehr gehol­fen.

 

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