GRENZEN ANNEHMEN

DIE KANN DOCH AUCH MAL BALD STER­BEN!

Bettina Maier*, 32 Jahre, Intensiv­kranken­schwester, 2 Kinder

Durch mei­ne Arbeit auf der Inten­siv­sta­ti­on habe ich eine sehr prag­ma­ti­sche Sicht auf den Tod:
Wenn es aus ist, ist es aus.
Zu Hau¬≠se erz√§h¬≠le ich mei¬≠ner Fami¬≠lie nat√ľr¬≠lich von mei¬≠ner Arbeit ‚Äď auch davon, dass eini¬≠ge mei¬≠ner Pati¬≠en¬≠ten ster¬≠ben ‚Äď ent¬≠we¬≠der weil sie ein¬≠fach schon sehr alt oder unheil¬≠bar krank sind. Nat√ľr¬≠lich ver¬≠scho¬≠ne ich mei¬≠ne Kin¬≠der mit belas¬≠ten¬≠den Details, sie sind ja erst f√ľnf und zwei Jah¬≠re alt. Aber sie bekom¬≠men trotz¬≠dem eini¬≠ges mit. Ich fin¬≠de das auch gut so. Es ist mir wich¬≠tig, dass mei¬≠ne Kin¬≠der erfah¬≠ren, dass der Tod zum Leben und auch zu mei¬≠ner Arbeit dazu¬≠ge¬≠h√∂rt. Dar¬≠um ver¬≠schwei¬≠ge ich das nicht. Es k√§me mir falsch und ver¬≠lo¬≠gen vor. Mei¬≠ne Kin¬≠der k√∂n¬≠nen damit gut umge¬≠hen. Ich fin¬≠de sogar sie haben ein nat√ľr¬≠li¬≠che¬≠res und nor¬≠ma¬≠le¬≠res Ver¬≠h√§lt¬≠nis zum Tod als vie¬≠le Erwach¬≠se¬≠ne.

Manch¬≠mal kommt es dadurch aller¬≠dings auch zu etwas pein¬≠li¬≠chen Situa¬≠tio¬≠nen: Neu¬≠lich habe ich mei¬≠ne Gro√ü¬≠tan¬≠te im Pfle¬≠ge¬≠heim besucht und mein f√ľnf¬≠j√§h¬≠ri¬≠ger Sohn war dabei. Er hat sich sehr genau im Zim¬≠mer und im Heim der Tan¬≠te umge¬≠se¬≠hen. Als wir nach dem Ver¬≠ab¬≠schie¬≠den durch die Schie¬≠be¬≠t√ľr gehen mein¬≠te er nur ganz bei¬≠l√§u¬≠fig: ‚ÄěMensch Mama, die Tan¬≠te Lot¬≠ti ist ja auch schon sooo alt. Die kann doch auch mal bald ster¬≠ben.‚Äú
Ich bin froh, dass das kei­ner gehört hat.

*Name geän­dert

Share

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


 

zurück zur Übersicht